East-West Pacem Orchestra

From East to West „Erinnerungen aus dem alten Damaskus“

Deutsch-arabisches Ensemble kreiert Gesamtkunstwerk aus Musik, Tanz und Projektion

Viele Jahre arbeitete die Musikerin Maren Lueg, Expertin im Bereich der arabischen und türkischen Musik in England und Schottland, bevor sie zurück in ihre Heimat Hagen kam. Gleich nach der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 brachte sie in verschiedenen Projekten Musiker*innen zusammen, die in Deutschland eine neue Heimat gefunden hatten. Aus offen gestalteten Workshops und Treffen gründeten sich feste Ensembles wie das Hamam Abbiad  Ensemble und das East West Pacem Orchestra.

In Kooperation mit dem Bauhaus-Verbund entwickelte Maren Lueg eine Produktion, in deren Mittelpunkt das sogenannte Dresdener Damaskuszimmer steht, ein Symbol syrischer Hochkultur. Dabei wollte Lueg die Faszination für den Orient, die auch den Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus Ende des 19. Jahrhunderts erfasst hatte, mit den gegenwärtigen Schicksalen von Flucht und Vertreibung in Verbindung bringen. Das prachtvolle und heute einzigartige Zimmer, bestehend aus aufwendig mit Blattmetallen verzierten und bemalten Wand- und Deckenvertäfelungen aus der historischen Altstadt von Damaskus, erwarb Karl Ernst Osthaus 1899 für seine Sammlung. Jedoch erwiesen sich die Räumlichkeiten seines Folkwang Museums als auch seines Wohnhauses Hohenhof als zu klein. Es blieb daher verpackt, kam als Schenkung 1930 nach Dresden und sollte dort Teil der im Aufbau befindlichen Orientabteilung des Völkerkundemuseums werden. Erst 1997 wurde es in den Dresdener Kunstsammlungen wiederentdeckt.

Die multimediale Produktion, die Maren Lueg mit ihrem Ensemble und dem Videokünstler John McGeoch entwickelt hat, wurde erstmals 2019 am Hagener Hohenhof und Anfang 2020 in der Philharmonie Essen aufgeführt. Hier verbinden sich arabische Musik in einem außergewöhnlichen Miteinander von Instrumenten wie Ney, Oud, Saz, Kanun und einem Streichensemble  mit orientalischen Tänzer*innen.  Die brillanten Videoprojektionen jenes Zimmers, das von John McGeoch eindrucksvoll in Szene gesetzt wird, schaffen einen faszinierenden Rahmen für die arabische Musik, die aus Arrangements traditioneller Stücke und Kompositionen der Hagener Künstlerin besteht.  Durch die Einbeziehung europäischer Streichinstrumente, u.a. der Musiker*innen der Essener Philharmoniker, eröffnen sich klangliche Räume, die auch den Zugang zu dieser Musik erleichtern, weiß die Komponistin.

„Die Begeisterung für den Orient um 1900 zeigt die damalige Suche nach Romantik und nach einem Gefühl, das in Zeiten der Industrialisierung verloren geglaubt schien. Diese Faszination wollen wir wieder aufleben lassen.“ Ein wichtiges Herzensanliegen sieht die Musikerin in diesem besonderen Konzert verwirklicht: „Das syrische und arabische Publikum hat das Gefühl, dass ihre Kultur auch hier angekommen ist und wertgeschätzt wird.“ Ein Abend, der somit auch emotional tief bewegt und auf besondere Weise bereichert. Die Aufführungen in Hagen und Essen wurden von einem sehr gemischten Publikum gleichermaßen begeistert aufgenommen.

(unter Verwendung eines Textes von Anja Renczikowski, Philharmonie Essen)